Anatomie der Wirbelsäule

Die Wirbelsäule, das zentrale Achsenorgan des Menschen, verbindet den Kopf mit dem Becken, stabilisiert den Rumpf, trägt die Arme und schützt das Rückenmark. Unterteilt wird sie in die Halswirbelsäule (sieben Halswirbelkörper), die Brustwirbelsäule (zwölf Brustwirbelkörper), die Lendenwirbelsäule (fünf Lendenwirbelkörper), das Kreuzbein (fünf verschmolzene Kreuzbeinwirbelkörper) und das Steißbein (drei bis fünf zurückgebildete Wirbelkörper). Aus Gründen der Statik und der Beweglichkeit sind die einzelnen Abschnitte gekrümmt. Hals- und Lendenwirbelsäule stehen in Lordose, Brustwirbelsäule und Steißbein in Kyphose.

Das Bewegungssegment

Die Bewegungen der Wirbelsäule erfolgen im sogenannten Bewegungssegment. Hierunter versteht man zwei angrenzende Wirbelkörper mit den dazwischenliegenden und für die Bewegung wesentlichen Strukturen, wie Bandscheibe, Knorpelplatten, Wirbelgelenken, Bändern und Muskeln, einschließlich der dazugehörigen Nervenstrukturen. Die Wirbelsäule des Menschen hat 25 Bewegungssegmente, wobei die beiden obersten keine Bandscheibe besitzen. Somit liegen üblicherweise 23 Bandscheiben vor.

Die Bandscheibe

In den Bewegungssegmenten der Wirbelsäule spielen sich die wichtigsten krankhaften Veränderungen an den Bandscheiben ab. Besonders betroffen ist die Lendenwirbelsäule, da hier eine ausgiebige Beweglichkeit und hohe Belastung vorliegen. Lumbalsyndrome stellen etwa zwei Drittel der Wirbelsäulenerkrankungen, Cervicalsyndrome etwa ein Drittel. Auf die Brustwirbelsäule entfallen knapp 2% der Erkrankungen, da aufgrund der guten Stabilisierung durch die Rippen und den Brustkorb dieser Abschnitt hoch belastbar ist.

Aufbau der Bandscheibe

Die Bandscheibe wird von zwei knorpeligen Abschlussplatten mit darunterliegendem kompakten Knochen sowie einem Faserring, dem Anulus fibrosus, begrenzt. Dieser ist an den Randleiste der Wirbelkörper befestigt. Der Faserring ist vorn und seitlich kräftiger als hinten (in Richtung Wirbelkanal) ausgebildet, wobei das hintere Längsband den Faserring im mittleren Anteil verstärkt. Somit besteht eine schwache Stelle im hinteren seitlichen Abschnitt, gerade dort, wo die Nervenwurzeln nahe dem Faserring vorbeilaufen.

Nucleus pulposus

In der Mitte der Bandscheibe liegt ein Gallertkern (Nucleus pulposus). Er weist eine hohe Wasserbindungsfähigkeit auf, so dass er wie ein elastisches Wasserkissen Stöße abfedert und Bewegungen der Wirbelkörper miteinander ermöglicht. Aufgrund des hohen Druckes, der in aufrechter Körperhaltung auf den Bandscheiben ruht, ist eine Blutversorgung der Bandscheiben nicht möglich. Sie werden durch Körperflüssigkeit ernährt, die in entlastender Körperhaltung aufgrund des hohen Wasserbindungsvermögens des Bandscheibenkernes in die Bandscheibe einfließt. Unter Belastung wird diese Flüssigkeit wieder ausgedrückt, so dass der Mensch abends ein bis zwei Zentimeter kleiner als morgens sein kann. Dies schafft die Möglichkeit eines erneuten Flüssigkeitseinstroms in der nachfolgenden Ruhephase.